Zuger Ansichten: "Ruf nach dem guten König"
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Von Martin Pfister, Kantonsrat und Präsident CVP Baar

Die aktuellen Geschehnisse an den internationalen Finanzmärkten werden die Wirtschaft nachhaltig verändern. Gerne wüsste man, wohin die Reise geht.

So unerfreulich wie die Konsequenzen dieser Krise voraussichtlich auch für die so genannte reale Wirtschaft sein werden, wir dürfen nicht vergessen, dass Wirtschaftskrisen zur geschichtlichen Normalität gehören, ja sogar nötig sind und Chancen eröffnen.

Ebenso normal ist in turbulenten Zeiten der Ruf nach einer ordnenden Hand, einem guten König, der alles richtig an die Hand nimmt und steuert. Die Politik ist zweifellos gefordert, nicht nur Geld zur Verfügung zu stellen, sondern mit kühlem Kopf auch strengere Regeln und griffige Kontrollen zu etablieren. Als guter König eignen sich die Politik oder einzelne Politikerinnen und Politiker jedoch nicht. Oder hätten wir mehr Vertrauen in eine Grossbank, wenn dieser Politiker oder jene Politikerin – die Namen spielen gar keine Rolle – konkret stärkeren Einfluss nehmen würde?

"Change" ist in diesen Tagen nicht nur in den USA angesagt. Was könnte dies politisch bedeuten? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und besseres Wissen, seien hier sieben Punkte genannt.

Erstens: Die ideologischen Graben-kämpfe von links und rechts vernebeln den Blick auf die wirklichen Herausforderungen. Alle Energien sollten in pragmatische Lösungen gesteckt werden. Zugegeben, politische Prozesse sind damit vielleicht etwas weniger spektakulär. Die Suche nach einem Konsens gehört aber zu den historischen Kernkompetenzen unseres Landes.

Zweitens: Mehr denn je ist heute in der Politik wirtschaftliches Know How gefragt. Es ist deshalb zu hoffen, dass sich in Zukunft wieder vermehrt Personen aus der aktiven Wirtschaft für politische Ämter zur Verfügung stellen. Auch die Tendenz der letzten Jahrzehnte, immer mehr Aufgaben der Verwaltung und damit auch Wissen und Können an externe Firmen oder auch an Interessenorganisationen auszulagern, sollte kritisch hinterfragt werden.

Drittens: Interessant ist gerade auch für die Schweiz die Bedeutung der internationalen Vernetzung für die Bewältigung dieser Krise. Wohl erstmalig arbeiten die Regierungen so eng zusammen. Die verbreitete Phobie gegen alles Ausländische und Fremde ist schädlich für die Schweiz und entspricht auch in keiner Weise unseren Alltagserfahrungen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Viertens: An einer liberalen Wirtschaftsordnung, welche die Über-nahme von Verantwortung durch wirtschaftlich Handelnde ermöglicht, führt auch in Zukunft nichts vorbei. Der etwas rechthaberische Jubel über das Ende der so genannten neoliberalen Wirtschaftsideologie bei linken Exponenten ist eher noch dem alten System zuzurechnen. Ein Betrag zu einer neuen Wirtschaftordnung ist in dieser Rhetorik nicht zu erkennen.

Fünftens funktioniert eine freie Wirtschaft - aber auch die Politik - nicht ohne Werte wie Mass, Verantwortungsbewusstsein, Gerechtigkeit, Qualität, Anstand usw. Ein ordnungspolitisches Credo ist noch kein Wert für sich, gleichzeitig ist es auch nicht besonders tugendhaft, im Namen der Tugend alles besser zu wissen.

Sechstens sollten die Relationen wieder erkannt werden. Gerade im Kanton Zug ist es nicht immer einfach, politisch bescheiden zu bleiben. Und auch die Wirtschaft muss dem Wohl und Wohlstand aller dienen.

Schliesslich ist siebtens Pessimismus gerade in schwierigen Zeiten nicht angebracht. Barack Obamas "Yes we can" passt deshalb gut in unsere Tage. Lassen wir uns davon anstecken. Ein guter König ist auch Obama nicht, aber immerhin ein Politiker.

Beitrag für die Neue Zuger Zeitung "Zuger Ansichten", 08. September 2008