Polit Talk: "Der Wandel ist notwendig"
Mittwoch, den 30. Januar 2008 um 15:22 Uhr
Von Sylvia Binzegger, Gemeinderätin und Schulpräsidentin
Zum Thema Schule und Bildung geht der Gesprächsstoff nie aus. Wir Erwachsenen haben unsere eigenen Erfahrungen mit Schule gemacht und die meisten von uns haben Kontakt zu Kindern, die aktuell die Schule besuchen. Als Schulpräsidentin werde ich öfters gefragt, wieso sich denn so vieles ändern müsse im Bereich der Bildung. Ich bin der Überzeugung, dass Schule so, wie sie vor 20, 30 und mehr Jahren gut war, heute nicht mehr funktionieren könnte. Remo H. Largo, der bekannte Kinderarzt und Autor, formulierte es kürzlich in einem Interview so, dass die Volksschule früher auf die Bedürfnisse der Industriegesellschaft ausgerichtet gewesen sei, dass wir aber heute in einer Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft leben, in der Menschen mit anderen Kompetenzen gefragt sind.
Neue Lösungen für neue Anforderungen
Eine Gesellschaft, die auf den einzelnen Menschen und nicht mehr auf die Masse setze, brauche einen individualisierten Schulunterricht. Dazu ist die Familie heute im Durchschnitt kleiner als früher, und sie kann nicht mehr selbstverständlich auf ein Netz von Verwandten und Bekannten in der Nachbarschaft zählen, wie das früher noch oft der Fall war. Deshalb spiegeln Neuerungen wie Blockzeiten, Integration von Kleinklassen-Kindern in Regelklassen, veränderte Inhalte und neue Fächer die veränderten Rahmenbedingungen, unter denen Schule heute gestaltet werden muss. Wichtig ist, dass Weiterentwicklungen immer mit dem Ziel angegangen werden, den Lern- und Bildungserfolg (und zwar nicht allein gemessen an Schulnoten) der Schülerinnen und Schüler zu verbessern.
Die Lehrer unterstützen
Das Kind muss im Zentrum der Aktivitäten aller Bildungsverantwortlichen stehen. Weil die einzelnen Kinder sehr verschieden sind, muss verstärkt auf ihre Individualität eingegangen werden. Das ist anspruchsvoll für die Lehrerinnen und Lehrer. Dazu brauchen sie Weiterbildung und Unterstützung durch die Schulleitung, die Behörden und ganz besonders durch die Eltern. Dass die Meinungen über die gewünschte Entwicklung ebenfalls verschieden sein können, versteht sich von selbst. Wichtig ist dabei, dass diejenigen, die mitdiskutieren, einander zuhören und sich ohne Vorurteile und Scheuklappen informieren, was Unterrichten heute heisst. Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, politisch Interessierte und Behördenmitglieder sollen sich ihrer Verantwortung bewusst sein, wie sie durch Mitarbeit und Mitentscheiden den Lern- und Bildungserfolg unserer Kinder und damit auch unsere künftige Gesellschaft mitgestalten.
Erschienen im Polit-Talk der Zuger Woche vom 30.01.2008


